Bei den "Selbst|Bilder" Projekten von 1998-2005 handelt es sich um eine partizipative künstlerische Forschung, bei der es um die Frage geht, wie konkrete Individuen sich an den Medien vermittelten Bildern mit ihren jeweiligen Inhalten spiegeln, bestätigen oder davon abgestoßen fühlen. Die Projektreihe interessiert der Prozeß der Bildung des individuellen Selbst in der Auseinandersetzung mit dem gesellschaftlichen Umfeld, als Auseinandersetzung zwischen Vorbildern und Selbstbildern.

Das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft ist auch ein Verhältnis von Bildern, genauer von öffentlichen und privaten Bildern, an denen sich kulturelle Normen ästhetisch niederschlagen. Es geht also um die Frage, wie sich die Schnittstelle zwischen Selbstbild und Vorbild realisiert, welche Totalität die umgebenden Einflüsse entfalten und wie der individuelle Einsatz zu bewerten ist, den die Einzelnen in das Verhältnis von Produktion und Reproduktion einzubringen.

Nicht alleine als passive Rezipienten, sondern auch als aktive Produzenten ihres Selbst suchen sich die Akteure des Alltags im Spektrum der zeitgenössischen Bildangebote eine spezifische Projektionsfäche, an der sie sich orientieren und thematisch inszenieren. Diese Intention, nämlich öffentliche Bilder und gesellschaftliche Schlüsselthemen in ihrer Bedeutung für das Individuum zu bearbeiten, führte zur Medienbildrecherche und kooperativen künstlerischen Arbeitsweise.

Die Frage nach der Umgangsform der Einzelnen mit dem Allgemeinen stellt die konkrete Person in den Mittelpunkt der künstlerischen Betrachtung. Alle Projekte der Reihe Selbst|Bilder sind Projekte unter dem Label: "AHA als Zusammenarbeit mit..." Kooperation bedeutet dabei, mit Personen zusammenzuarbeiten, die sich eher auf der Seite der Konsumenten als im Zentrum der gesellschaftlichen Wunschproduktion befinden. Mit diesen Personen wird in einen Prozeß der Bildproduktion eingetreten, dessen Ästhetik sich auf prototypische Vorbilder aus der Medienwelt bezieht.

Die künstlerische Praxis stellt eine Plattform bereit, auf der sich die Beteiligten in der Auseinandersetzung mit zeitgenässischen Medienbildern thematisieren, reflektieren und inszenieren. In den Bildprodukten, die aus dieser Forschung hervorgehen, sind die Projektteilnehmer ästhetisch durch ihre Vorbilder gespiegelt und treten ihrer Utopie bildlich gegenüber. Medienbilder unterliegen den Selbstbilder und reflektieren die Selbstinszenierung. Im Fluchtpunkt der Arbeit steht der ikonische Bruch, der durch die ästhetische Idealisierung der Projektteilnehmer hindurch auf ihre 'Eigenbildlichkeit' verweist.

Die Bildersprache der erzeugten Fotos, Videos oder Comics orientiert sich an den Standards zeitgenössischer Medienästhetik, auf der sie aufliegen. Zugleich sind diese Standards durch die individuelle Phantasie und spezifische Wirklichkeit der Beteiligten an konkreten Orten gefiltert. Jenseits der passiven Aneignung treten im Laufe der Projekte Momente auf, in denen die vorbildlichen Inszenierungen umgewendet werden.