Informationen: Takano Protest People Blog oder hier (Jap).
Informationen: Villa Kamogawa Blog Goethe-Institut (Dt).

Tamatebako (玉手箱)
Installation, Intervention und Kooperation | Kyoto 2013

Die Wunderkisten namens Tamatebako ist ein Medium für den Austausch von Ideen und Dingen im städtischen Freiraum von Japan.

Die Bürgerinitiative "Takano Pachinko Building Protest People" in Kyoto hat diese Wunderkiste für ihre Öffentlichkeitsarbeit in Gebrauch genommen. Die Initiative kämpfen gegen einen Investorenbau (eine Pachinko-Spielhalle) in ihrem Wohnviertel und für Mitbestimmung in der Stadtplanung.

Im Hintergrund der Installation steht der Gedanke: Wenn städtische Öffentlichkeit nicht einfach vorhanden ist, sondern durch Artikulation und Handlung erst geschaffen wird, gleichzeitig aber der offene Austausch ein Vehikel braucht, dann kann dieses Kommunikationsvehikel in unterschiedlichen Gesellschaften verschieden geformt sein.

Für den japanischen Kontext wirkt die Installation der Wunderkiste verlockend im Namen und gewöhnlich in der Erscheinungsform. Tamatebako (玉手箱) ist der sagenhafte Name für einen geheinmisvollen Gegenstand. Der Begriff meint verzauberte Schachtel, viel versprechende Wunderkiste, neugierig machende Truhe. Man möchte nachschauen, was eine solche Kiste verbirgt.

Für die große Regalbox am Straßenrand ist dieser Name ein Lockmittel, denn in ihr lagern auf den ersten Blick nur gebrauchte Dinge und Mitteilungen an fremde Menschen. In Japan gelten gebrauchte Gegenstände als schmutzig und der Austausch mit unbekannten Personen als kompliziert. Eine öffentliche Tauschbox für Sachen und Meinungen im offenen urbanen Freiraum ist ein Experiment.

Tamatebako wurde als Installation und Intervention entwickelt, um die Möglichkeiten der öffentlichen indirekten Kommunikation zu erkunden und zu provozieren.

Die Regalbox erinnert in ihrer Dimension und ihrem Aussehen an die in Japan überall zu findenden Verkaufsautomaten für Dinge aller Art. In der Form nichts Besonderes also, in der Sache schon. Sie will die ökonomische Funktion der Verkaufsautomaten überwinden und ein gesellschaftlicher Austauschautomat für Ideen und Meinungen werden. Und sie lädt durch Neugier und Verwunderung dazu ein, über gesellschaftliche Barrieren und Kommunikationshürden hinweg, unbeobachtet Dinge rein zu stellen und raus zu nehmen und indirekt Ideen auszutauschen.

Tamatebako ist ein Spiel – eine Simulation von Aspekten des Öffentlichen für den urbanen Freiraum – eine Verlockung, die von den Leuten von der Takano Bewegung genutzt werden kann, denn sie wollen den städtischen Freiraum als öffentlichen Raum für die Artikulationen ihrer Belange nutzen.