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PARTIZIPATION |
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[participium, eine Substantivierung zu particeps: Anteil habend, beteiligt sein an, zu pars für Teil und capere nehmen, ergreifen] Die erste Frage, wenn es um Partizipation geht, muss in jedem Fall danach gestellt werden, wer von wo aus, mit welchem Interesse spricht. Es scheint stets, als würde sich das Sprechen über Partizipationsprojekte selbst zu einem aussergewöhnlich widerstreitsfrohen Raum entwickeln, in dem jede und jeder etwas zu sagen hat, sich das Teilnehmen am Sprechen als performativer Rezeptionsprozess fortsetzt. Zum Beispiel hier: Der Kunsthistoriker Christian Kravagna definiert: Partizipation geht im Unterschied zu Kollektiver Praxis von einer "Differenzierung zwischen Produzierenden und Rezipierenden aus [...], ist an der Beteiligung letzterer interessiert und überantwortet ihnen einen wesentlichen Anteil entweder schon an der Konzeption oder am weiteren Verlauf der Arbeit".(1) Oder hier: Die Kunstkritikerin und Kuratorin Stella Rollig meint: Partizipationsprojekte in der Kunst werden immer entwickelt, wenn Unzufriedenheit mit dem Status Quo in der Kunst vorliegt. "Womit die KünstlerInnen unzufrieden sind, daraus folgert der Charakter der angebotenen Partizipation und das Ausmass an Selbstbestimmung, das den Teilnehmenden ermöglicht wird. Partizipation kann von gleichberechtigten und gleichkompetenten PartnerInnen ausgehen, kann im Sinn einer Zuwendung soziales Kapital (Wissen, Fähigkeiten) an wirklich oder vermeintlich Unterprivilegierte verteilen. Oder animieren..."(2) Nicht immer, so betont sie, hat in der Geschichte der Kunst der Begriff Partizipation auch die Öffnung eines sozialen Raumes gemeint. Die Liste der Einwände gegenüber Partizipationsprojekten ist lang.(3) Man/frau ist skeptisch mit Blick auf den je realisierten Kunstbegriff, auf die politischen Strategien, auf gewollte und ungewollte Effekte im sozialen Feld, auf die Verantwortung der InszenatorInnen partizipatorischer Projekte. Permanent taucht die Frage nach der Berechtigung auf.(4) Zum Beispiel hier: Ein Skeptiker schreibt: Die Frage ist, "wie das nun weitergeht an diesem Ort, nachdem alle wieder abgereist sind und ob es nicht eher um die Interessen der Künstlerinnen geht als um die der Bewohner und ob die Bewohner tendenziell zum Material werden für Aktionen - ein Ausweichen vor der Kritik des Kunstbetriebs im engeren Sinne. Die Partizipation hat etwas Ideologisches, das andere Konflikte still stellt..."(5) Kritik an Partizipationsprojekten dieser und anderer Art ist ernst zu nehmen und muss wiederum genau analysiert werden. Denn häufig tendiert sie dazu, die verschiedenen Ebenen solcher Projekte gegeneinander auszuspielen und die darinliegenden Chancen zu übersehen. Zum Beispiel die konkreten Möglichkeiten des Arbeiten an Strukturen oder die Chancen der Herstellung von Räumen, in denen sich Kommunikations- und Handlungszeiten bilden können, in denen - mit Jean Luc Nancy formuliert - bewusst die (Mit-)Teilung von Singularitäten vorgenommen wird. Oder Räume, in denen - mit Gilles Deleuze gesagt - sich das Politisch-Werden als immanente Dekonstruktion von Einheitsstiftern in der Freisetzung von Unbestimmtheitsfeldern vollzieht - Unbestimmtheitsfelder, in denen unbekannte Ansteckungsprozesse neue kollektive Verbindungen ermglichen.(6) Für das potentielle Zustandekommen und Reflektieren solch überraschender, unvorhersehbarer, offener Verbindungen ist der Raum der Kunst höchst geeignet. Gefordert werden muss daher, jedes Partizipationsprojekt singulär, kontextspezifisch und präzise zu betrachten - immer im Bewusstsein um die Grenzen der Darstellbarkeit und dem aktiven Umgang damit.
(1) Kravagna, Christian: Arbeit an der Gemeinschaft. Modelle partizipatorischer Praxis. In: Babias, Marius, Achim Könneke (Hg.): Die Kunst des Öffentlichen. Amsterdam, Dresden: 1998, 30 |
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