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Vision Wohnen
Gespräche in Hagen

 

Martin Bleja | Stadtplanungsamt | Hagen: "Hagen hat in den vergangenen Jahren viele Einwohner an die umliegenden Gemeinden abgeben müssen, in denen der Wunsch nach dem Einfamilienhaus im Grünen einfacher und billiger zu erfüllen war. Immer noch ist die Nachfrage nach Einfamilienhäusern der bedeutendste Sektor im Bereich des Wohnungsbaus. Trotz drastisch sinkender Bevölkerungszahlen werden daher neue Flächen am Rande der Stadt für den Bau von Einfamilienhäusern erschlossen. Obwohl Hagen in seinen Kernbereichen dicht besiedelt ist, sind grosse Teile des Stadtgebietes vor allem im Süden und Nordosten ländlich strukturiert. Grossstadt und dörfliche Idylle liegen oft nicht weit auseinander. Die geplanten Gebiete für Einfamilienhäuser sollen ein Angebot für die Menschen in Hagen sein, die hier ihren Wunsch vom Wohnen im Grünen verwirklichen wollen. Damit soll auch der Abwanderungstrend aus der Stadt in das ländliche Umland gebremst werden. Stadtentwicklung findet aber nicht nur an den Rändern statt, sondern vor allem auch in den Kernzonen der Stadt selbst, wo nicht mehr genutzte Gewerbeflächen für neue Nutzungen aufbereitet werden und Wohnquartiere vital und lebenswert erhalten werden müssen."

 


Karin Brensing | Bürgerin | Hagen: Das Eigenheim oder die Verwirklichung einer Utopie
"Jeder Mensch hat Utopien, deren Verwirklichung davon abhängig ist, wann und wo er geboren wurde und welche Möglichkeiten ihm durch sein Elternhaus und der Gesellschaft im Bezug auf seine Entwicklung geboten wurden. Nachdem ich meine Schul- und Berufsausbildung abgeschlossen hatte und ich mir Gedanken über meine weitere Zukunft machte, wurde mir klar, dass eine meiner Utopien, nämlich ein eigenes Heim haben zu wollen, nach Möglichkeit recht schnell zu realisieren wäre.

Ein eigenes Heim, darunter stellte ich mir ein eigenes Haus vor. Ein Haus, in dem auch eine Familie, d.h. auch Kinder, in einem grossen Rahmen an Freiheit und Geborgenheit aufwachsen können. Dieser Entschluss liess sich für mich verwirklichen. Ich habe ein Zweifamilienhaus in Hagen und meine Familie und ich fühlen uns in diesem Haus sehr wohl. Dies ist allerdings nicht ohne ein entsprechend positives Umfeld möglich. Es spielen also eine Menge Faktoren, die zu einem positiven Umfeld gehören, eine wichtige Rolle. Meine Familie und ich haben wunderbare Nachbarn, die, wenn es erforderlich ist, immer mit Rat und Tat zur Seite stehen, wie auch wir für unsere Nachbarn da sind.

Die Infrastruktur in unserem Stadtteil ist bis vor einigen Jahren, d. h. bis so vor ca. 15 Jahren, in Ordnung gewesen. Aufgrund der Bevölkerungsentwicklung und den damit verbundenen Wünschen, ebenfalls ein Eigenheim schaffen zu wollen, wurden auch in dem Stadtteil in Hagen, in dem wir leben, neue Baugebiete ausgewiesen. Damit wurde für andere Menschen die Möglichkeit zur Verwirklichung der Utopie vom Eigenheim geschaffen. Diese Grundstücke sind im Gegensatz zu den Grundstücken, die vor 20 oder 30 Jahren verfügbar waren, nur noch recht klein, d.h. sie sind nur noch 300 bis 400 qm gross und der nächste Nachbar "wohnt gleich nebenan". Durch diese Entwicklung wurden aus recht ruhigen Strassen "Durchgangsstrassen", die zum Teil jetzt so sehr überbelastet sind, dass ein ruhiges Leben und Wohnen, so wie auch ich es mir vorgestellt hatte, in diesen Bereichen nicht mehr möglich ist.

Ich bin dennoch glücklich über meine Entscheidung, ein eigenes Haus zu besitzen, obwohl mir bewusst ist, dass ich ein paar Einschränkungen in meiner "Freiheit" hinnehmen muss, damit auch anderen Menschen die Möglichkeit gegeben werden kann, ihre Utopie vom Eigenheim umzusetzen."