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Projektvorschlag und Kontextanbindung von Nov. 2001 AHA als Zusammenarbeit mit Hagener BürgerInnen von Anke Haarmann |
Selbst/Bilder Projekt 3 Visionen&Utopien Zur Bilderwelt der Wunschgesellschaft |
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INHALT |
Intro (Museutopia oder der Zeitgeist) Hagener Vision (oder das Problem mit der Stadt) Alldeutsche (oder das Problem mit der Utopie) Visionen&Utopien (das Projekt in Hagen) |
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Selbst/Bilder [AHA] Home Utopien&Visionen Index |
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Anzeige gesehen im ICE auf dem Weg zum workshop für Museutopia |
Intro (Museutopia oder der Zeitgeist) Mit dem Ausstellungsprojekt Museutopia© würdigt das Karl Ernst Osthaus-Museum das 100jährige Bestehen der Folkwang-Idee. Diese Idee wird im Ausstellungskonzept "als großer, ästhetischer Gegenentwurf zu den Sozialutopien des 19. Jahrhunderts begriffen" und Museutopia© will das utopische Denken und ästhetische Potential der Folkwang-Idee aufgreifen und "nach konstruktiven Visionen für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts" fragen. Mit den Mitteln der Kunst sollen Visionen modellhaft zum Ausdruck gebracht werden und in die Kommunikation mit dem Publikum treten. Mit diesem Ansatz bewegt sich Museutopia© in einem komplexen Spannungsfeld, das zwischen historischen Utopien und gegenwärtigen Visionen, zwischen sozialökonomischen Vorstellungen und ästhetischen Entwürfen, monadischen Großphantasien und kommunikativen Versuchsmodellen sich aufspannt. |
Change Wie verändert das Neue die Welt Neues Denken - Vorhandenes ändern - Zukunft gestalten
mit Zukunftsforschern und Gentechnologen Für diese ungewöhnliche Veranstaltung suchen wir neugierige Teilnehmer. Vielfalt fördert Veränderung - lassen sie sich inspirieren Für die Boston Consulting Group, dem Pionier der strategischen Unternehmensberatung, ist die Suche nach neuen Lösungen und die Realisation von Visionen das Fundament unseren Erfolgs. |
Diesem Spannungsfeld ist aus meiner Perspektive ein weiterer Aspekt hinzuzufügen: Denn der Ursprung des Ausstellungskonzepts aus dem Jubiläum der Folkwang-Idee vernachlässigt den Umstand, dass sich Museutopia© mit der Frage nach 'konkreten Visionen für das 21. Jahrhundert' nicht alleine historisch herleitet, sondern gegenwärtig einreiht in eine Signatur des Zeitgeist, denn Visionen sind in. Während die große Geste der politischen Utopie im Kellerarchiv der Geschichte verstaubt, sind kleine, attraktive ja bissige Visionen heute im Trend und dieser Trend präsentiert sich auch und gerade als ästhetischer Entwurf. Die jungen Visionen lassen sich von daher mit der Kunst auf der einen Seite und der ästhetischen Utopie der historischen Folkwang-Idee auf der anderen Seite in eine brisante Beziehung setzen. Das ist das Spannungsfeld, das mich für meine Arbeit interessiert. Dabei ist zu vermerken, dass sich die neuen Zukunftsbilder der Gegenwart nicht, wie die traditionellen Utopien, am sozialökonomischen Zustand der Gesellschaft abarbeiten, sondern den technologisch-ökonomischen Bestand als ausbaufähige Basis für eine innovative Zukunft aufgreifen. Diese innovative Zukunft regelt die Wunschökonomie der Gegenwart und etabliert eine Bilderwelt, die technologisch modelliert und ökonomisch befriedet die Gesellschaft von morgen mit der Schönheit des Konsums und der Sozialisation durch Kultur vor Augen führt. Diesen Zeitgeist, der auch und gerade ästhetisch operiert, gilt es im Blick zu behalten, wenn mit den Mitteln der Kunst eine andere, in diesem Sinne utopische Vision für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts bearbeitet werden soll. |
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Für einen Beitrag zu Museutopia© rückt von daher die Frage in den Mittelpunkt, wie zwischen angepaßter Vision, ästhetischer Überformung und schwieriger Geschichte die einzelne, kleine und partikulare utopische Vorstellung modelhaft in der direkten Auseinandersetzung mit realen Individuen und ihren zugleich eigensinnigen wie medial informierten Phantasien vorgeschlagen werden kann. Um das Arbeitsprojekt für Museutopia© zu konkretisieren, möchte ich daher zunächst die konkrete Vision des Ortes Hagen und dann die utopische Vorgeschichte des Ausstellungsprojekts thematisieren, denn aus Ort und Geschichte sollte sich das Projekt ableiten lassen. Die Situation vor Ort ist von einer städtebaulichen Vision geprägt, mit der sich Hagen entsprechend globaler Standard-Visionen auf eine konsumentenfreundliche Zukunft hin entwirft. Mit der historischen Folkwang-Idee kann das schwierige Potential ästhetischer Utopien anhand der Vorstellung des Museumsgründers Karl Ernst Osthaus aufgegriffen werden. Vor diesem Hintergrund läßt sich ein Projektvorschlag formulieren, der die ästhetischen Standards medienvermittelter Vorbild-Visionen aufgreift, sie in die Beziehung zur lokalen Situation in Hagen setzt und gegen den klassischen Großentwurf und innerstädtischen Masterplan die partikulare, konkrete und einzelne Auseinandersetzung mit Hagener BürgerInnen setzt. |
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Hagener Vision (oder das Problem mit der Stadt) Ausgangspunkt der Umstrukturierung des innerstädtischen Raums, wie Hagen ihn derzeit erfährt, ist die sogenannte Strukturkrise. Als Teil des Ruhrgebiets ist Hagen, wie andere Städte im Revier, vom Niedergang der Kohle- und Stahlindustrie betroffen, wobei diese Betroffenheit kein Phänomen der Jahrhundertwende ist, sondern sich seit den 80iger Jahren des 20. Jahrhunderts stückweise und kontinierlich in das Selbstverständnis der Stadt eingräbt. Neu ist allerdings die spezifische Antwort, mit der die Stadt dieser Strukturkrise begegnen will: Eine verkehrspolitische Umstrukturierung der zentralen Innenstadt, der Bau zweier Shoppingcenter und die Errichtung eines Museums bilden das Kernstück einer städteplanerischen Großoffensive, deren Ziel die verkehrsberuhigte und konsumerfreundliche Flanierarkade und ein erweiterter Kulturwert ist. Konsum und Kultur sollen den Standort Hagen in jeder Hinsicht aufwerten: Arbeitspolitisch durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze im Dienstleistungssektor, steuerpolitisch durch die Abschöpfung der Hagener Kaufkraft, städtebaulich bzw. ästhetisch durch die Aufwertung des innerstädtischen Raums, kultur- bzw. 'außenpolitisch' durch die Errichtung einer überregional anerkannten Kultureinrichtung und damit zusammenfassend identitätspolitisch durch die Schaffung einer durchkomponierten und attraktiven Projektionsfläche für den Hagener Blick auf sich selbst. Hagen hat, so scheint es, kein Struktur-, sondern ein Attraktivitätsproblem: |
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"Die Stadt Hagen als Oberzentrum der märkischen Region hat in den letzten Jahren an Attraktivität verloren. Im Wettbewerb mit den umliegenden Städten stagniert der Einzelhandel schon seit längerem - Kaufkraft wandert vermehrt ins Umland ab. Die Folge: Immer mehr Leerstände in Hagens Innenstadt." (website Hagen) Abwanderung, Imageprobleme und mangelnde Identifikation der Bürger mit dem Standort sind die stadtpolitischen Stichworte, die den negativen Attraktivitätsfaktor ausdrücken. Traditionelle, ökonomische Argumente, wie die Arbeitslosenquote von 10%, rücken ins Abseits, vor dem Hintergrund der umfassenden Identitätskrise. Hagen ist nicht attraktiv und die ökonomische Negativbilanz ist Effekt, nicht Ursache dieser Mangelsituation. |
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oben: webcam Standbild Bauplatz Hagen unten: Computermodell Friedrich-Ebert-Platz, Einkaufs-Mal und alter Rathausturm ganz unten: Zeichnung altes Rathaus, neue Mall, neue Ratshalle |
"Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, fasste die Stadt den Entschluss, die Innenstadt Hagens als urbanes Zentrum auf lange Sicht zu revitalisieren. Hierfür boten sich das Gelände der ehemaligen Fachhochschule und Teilbereiche des Rathausgrundstücks direkt neben dem City-Fachmarkt an. Nach Prüfung diverser Investoren-Konzepte entschied sich der Stadtrat im Januar 1997 für das Konzept der Multi Development Corporation (MDC): Die Volme-Galerien am Rathaus." |
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Die Zukunft der Stadt wird als städtebauliche Aufgabe wahrgenommen und Hagen entwirft sich als urbanes Zentrum in eine metropole Zukunft. Das Rathaus wird abgerissen, der Friedrich-Ebert-Platz umgegraben und die frei werdenden Flächen mit Verkehrsberuhigung und Einkaufs-Mall wiederbelebt. Hagen wird nicht die alte Stadt Hagen bleiben, sondern benennt seinen visionären Kern nach US-amerikanischem Vorbild als City Hagen. Das städtebauliche Bild vom Standort soll also den Standortfaktor Kaufkraft generiert, der als Wirtschaftsfaktor den Bildfaktor bestätigen soll. Mit dieser Konsum-Ästhetik-Kaufkraft-Strategie reproduziert die Stadt Hagen eine globale Logik des Spätkapitalismus. Denn allerorts beginnen Konsum- und Freizeitparks die ökonomische Alternative zum Industriepark zu bilden und bringt diese Logik großangelegte Malls hervor. |
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In einer bemerkenswerten Radikalität ist aber nun Hagen seinen globalen Vorbildern noch voraus. Die Volme-Galerien am Rathaus, die als Shopping-Galerien den Ästhetikfaktor des Konsums schon benennen, diese Galerien sind mehr als Konsum und mehr Ästhetik - sie sind Rathaus und Politik. Denn die Einkaufs-Mall ist nicht eigentlich am Rathaus gelegen, sondern wird Teile des städtischen Verwaltungsapparats aus dem abgerissenen Rathaus in sich beherbergen. Das Politische wird in die Einkaufs- und Erlebniswelt eingemeindet. |
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unten: ganz unten: |
Dieses räumliche Aufgehen der Politik im Konsum verdeutlicht eine gesellschaftliche Tendenz, bei der die politische Vergesellschaftung zunehmend von der ökonomischen Vertauschung ersetzt wird. Diese Tendenz findet sich in Hagen vorbildlich auf den visionären Punkt gebracht. Unabhängig vom Bau der paradigmatischen Rathaus-Mall tritt aber das andere Bauprojekt zukunftsweisend hervor, das zur Hagener Vision einen kulturellen Beitrag leisten soll. Angegliedert an das Karl Ernst Osthaus-Museum wird das Emil Schumacher Museum errichtet und der gesamte Straßenblock zu einem Museumsviertel verdichtet. |
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Mit diesem Museumsviertel und kulturellen Neubau werden drei identitätspolitischen Bedürfnisse der Stadt erfüllt: Urbanistisch soll der Neubau die Hagener City an zeitgenössische, architektonische Standards heranführen, stadtgeschichtlich wird der Maler und Sohn der Stadt Emil Schumacher und damit die Stadt als Vaterstadt gewürdigt. Kulturell soll sich Hagen als Kunststätte mit Tradition (Folkwang-Idee) und Zukunft (zeitgenössische Kunst) ins überregionale Licht setzen. "Es sollte ein Impuls für die Stärkung und Weiterentwicklung der Innenstadt ausgelöst werden. Durch eine qualitätsvolle Architektur soll die Kulturfunktion und die Bedeutung der Stadt Hagen überregional nachhaltig gestärkt und an die kulturgeschichtliche Bedeutung des "Hagener Impuls" bzw. die Folkwang-Idee angeknüpft werden." (website Osthaus-Museum) |
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Die Hagener Vision, die sich im Museumsbau gleichsam kultiviert, drückt damit nicht nur den Übergang von der Arbeits- zur Konsumgesellschaft, sondern auch den Übergang von der Industrie- zur Kulturgesellschaft aus. In einer Zeit, in der Arbeitsstätten ihren sozialisierenden Charakter verloren haben und großindustrielle Machtapparate nicht mehr lokale Repräsentationspolitik betreiben, scheint Kulturproduktion, Kulturtradition und Kulturrepräsentation die identitätsbildende Leerstelle auszufüllen. Nicht alleine in Hagen treten kulturelle Großprojekte als Projektionsflächen für standortpolitische Bilder auf. |
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Die Rolle der Kulturschaffenden in dieser Identitätspolitik ist prekär: Denn während die kulturelle Vision einerseits Raum und Kapital mobilisiert, um kulturelle Arbeit als gesellschaftliche Arbeit überhaupt wertzuschätzen und auszuzahlen, gliedert sie andererseits diese kulturelle Arbeit tendenziell in herrschaftliche Repräsentationspolitik ein. Der Attraktivitätsfaktor der Stadt Hagen steigt durch den Museumsbau und trägt dazu bei, ökonomisch gesehen Kaufkraft in die Stadt zu leiten und politisch gesehen gesellschaftliches Wohlbefinden zu erzeugen. Auch das Ausstellungsprojekt Museutopia©, das im zukünftigen Museumsviertel, sprich im Osthaus-Museum platziert sein wird, ist vor dem Hintergrund dieser kuturpolitischen Vision in die Beziehung zur Hagener Identitätspolitik zu setzen. Anhand der Hagener Vision, bei der sich mit Konsum und Kultur eine bessere Zukunft ausgemalt wird, artikuliert sich grundsätzlich der Wille die wirtschaftliche Standortpolitik mit einer städtischen Identitätspolitik zu einer urbanen Wuschgesellschaft zu verknüpft. Als Fazit läßt sich vielleicht sagen, dass Identitätspolitik als ein maßgeblicher Faktor in Hagen angesehen werden muß und ein Projekt, das sich mit der Frage nach konkreten Visionen für das 21. Jahrhundert auf Hagen bezieht, diesen Faktor berücksichtigen sollte. Aber, und dies wäre die utopische Verschiebung gegenüber der bestehenden Stadtplanungsstrategie: diese Identitätspolitik kann in der partikularen Auseinandersetzung mit einzelnen Hagener Bürgergruppen die traditionelle Logik der Masterplanung und Großarchitektur um konkrete kulturelle Arbeit erweitern. |
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Alldeutsche (oder das Problem mit der Utopie) Personales Zentrum der Folkwang-Idee im Hagen der vorletzten Jahrhundertwende war der Bankiersohn, Millionenerbe, Mäzen, Museumsgründer und Initiator des Hagener Impuls: Karl Ernst Osthaus. Osthaus wollte Dichter und "Professor der Ästhetik" werden und studierte Philosophie, Kunstgeschichte und Literatur in Kiel, München, Berlin, Straßburg und Wien bevor das Millionenerbe ihn zum Museumsstifter, Stadtplaner und Kunstmäzen machte. Osthaus ließ das Museum in Hagen bauen, nicht alleine weil er die finanzielle Kraft dazu hatte und sich seiner Heimatstadt verpflichtet fühlte, sondern weil er es sich zur Aufgabe gemacht hatte, das Hagener Volk durch das Naturschöne und das Kunstschöne an die Idee der Schönheit insgesamt heranzuführen und damit geistig zu veredeln. Osthaus war ästhetischer Visionär. |
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Ausgangsdiagnose zu seiner Utopie war die desolate Situation der Stadt Hagen und die, von ihm darin bemerkte, geistige Armut ihrer Bürger. Als florierender Industriestandort hatte Hagen zu dieser Zeit keine ökonomische Krise aber ein ästhetisches Problem, so erschien es Osthaus. Was er vor Augen hatte, war die kohlegeschwärzte Luft des engen Hagener Tals, wo die Schornsteine der Fabrikanlagen die Luft verdunkelten und die Arbeiter um der Arbeit willen und ohne Sinn und Geist zu existieren schienen. Anders als Marx und Engels, lokalisierte Osthaus das Problem aber nicht im ökonomischen Gesamtzusammenhang, sondern in der ästhetischen Mangelsituation. Nicht die entfremdete Arbeit und ausgebeutete Kraft läßt die Arbeiterschaft und das gesellschaftliche Klima verarmen, sondern jener Mangel an ästhetischer Erziehung und schöngeistigem Bewußtsein, der einen Mangel an gesellschaftlicher Schönheit zur Folge hat. |
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Durch ästhetische Intervention wollte Osthaus diese Armut beheben und auf diese Weise Industrie und Schönheit, Kapital und Leben versöhnen. Sein Vermögen befähigte ihn Künstler, Architekten und andere Avantgardisten nach Hagen zu holen, damit sie Visionen für das 20. Jahrhundert realisierten. Er ließ sie bauen, malen und Skulpturen schaffen und versprach sich vom schöpferischen Potential der Künstlerpersonen jene Inspiration, welche die Volksseele ergreifen sollte. Das Museum war nur der Beginn des sogenannten Hagener Impulses, bei dem Osthaus vor allem architektonisch in das Bild der Stadt einzugreifen gedachte. |
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ganz oben: Zeche Jahrhundertwende oben: Krematorium in Hagen von Behrens auf Initiative von Osthaus gebaut unten: 'Der Auserwählte' von Hodler im Hohenhof (Haus von Osthaus) |
Von der Villa über die Künstlerkolonie zum Theater, vom Arbeiterwohnviertel über das Krematorium zur Folkwang-Schule und Stadtkrone hat er alles erwogen. Wenig davon wurde erbaut, aber seine Vision für Hagen mag folgende gewesen sein: Ein durch Schönheit vergeistigtes Volk verläßt elfengleich seine hübschen Behausungen, um gleichsam tänzerisch durch die durchkomponierten Straßen der Stadt in die Kathedralen der Arbeit einzukehren. |
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In diesem Bild, das Osthaus vielleicht nicht ganz gerecht wird, tritt aber die Problematik hervor, die große, utopische und insbesondere ästhetische Gesten beinhalten: Der auserkorene Gegenstand der Vision tritt als ästhetisches Material ins ausgemalte Bild von der besseren Zukunft. Nicht die Gemengelage konkreter Individuen, sondern ihre Erscheinung als gestaltbarer Chor wird aus der Perspektive des Visionärs sichtbar. Ein zwar jugendlicher aber bezeichnender Aspekt der Osthaus-Biografie verdeutlicht das schwierige Potential seiner utopischen Phantasie. Vom schwärmerischen Bedürfnis nach wahrer Kunst und hohem Geist beseelt, entwickelte Osthaus im Laufe seiner studentischen Jahre eine starke Affinität zur politischen Gruppierungen der sogenannten Alldeutschen. Mit nationalistischen, antisemitischen und antisozialistischen Zielsetzungen ausgestattet, ging es dieser Gruppierung darum, den deutschen Geist aus dem Dunkel seiner europäischen Schattenexistenz heraus zu heben und den deutschen Raum in einer gemeinsamen Nation zu vereinen. Diese deutsche Idee der Erhöhung im Hintergrund, entwickelt Osthaus seine Vorstellung von der hohen Schönheit des auserkorenen Geistes und seine Tendenz zur dekretorischen Durchsetzung seiner Ideen. Osthaus hatte Geld, zeitweise viel Einfluß und seine Vision. Seine utopischen Maßnahmen waren erzieherisch, nicht demokratisch; seine Pläne eher herrschaftlich, als egalitär. Ohne den individuellen Einsatz geringzuschätzen, der nötig ist, utopische Ideen zu entwerfen, ohne die Gestaltungsarbeit zu ignorieren, die es braucht, um gesellschaftliche Visionen zu entwerfen, ohne die ästhetische Dimension auch der ökonomischen Landschaft zu missachten - verdeutlicht doch die Geschichte von Osthaus das schwierige Potential großer, ästhetischer Utopien. Die Geschichte vom Hagener Impuls im Hintergrund wird das Arbeitsprojekt für Museutopia© nicht alleine aus dem Konzept der Selbst/Bilder-Projekte heraus, sondern auch aufgrund der besonderen Vorgeschichte in Hagen, die kleinteilige, konkrete Auseinandersetzung mit einzelnen Gruppen und Individuen vor Ort und ihren Visionen suchen. |
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Visionen&Utopien (das Projekt in Hagen) Arbeit vor Ort / konkrete Personen / neuralgische Punkte / visionäre Bildprodukte / ästhetische Intervention In Hagen soll unter dem Titel: Visionen&Utopien das Projekt III. der Reihe Selbst/Bilder realisiert werden. Gemäß der Ausstellungskonzeption zu Museutopia© drückt dieser Titel die Spannung zwischen historischen, großen, politischen Utopien auf der einen Seite und gegenwärtigen, kleinen, vornehmlich ökonomischen Visionen auf der anderen Seite aus. Utopien&Visionen werden für das Arbeitsvorhaben in Hagen planmäßig zusammengeschrieben, weil es darum geht, sie projektmäßig zusammenzudenken. Entsprechend der Grundkonzeption von Selbst/Bilder und aufgrund der historischen Erfahrung mit der Folkwang-Idee, wird das Projekt Visionen&Utopien in einer partizipatorischen Arbeitsweise lokale Visionen, partikular und modellhaft bearbeiten. Es geht darum, die Bedeutung des Utopischen und des Visionären für das Selbst- und das Gesellschaftsbild einzelner lokaler Bürgergruppen in Hagen herauszuarbeiten. Unterschiedliche Personen vor Ort sollen dazu meine künstlerische Kompetenz für die Inszenierung ihrer Visionen&Utopien nutzen. Die globalisierten und medialisierten Standard-Visionen werden dabei ebenso zum Ausdruck kommen, wie die partikularen Interessen und individuellen Imaginationen der einzelnen Projektteilnehmer. Drei Parameter werden das Projekt in einer nicht vorhersehbaren Weise bestimmen: Die Personen und Gruppen, mit denen ich zusammen arbeiten werde, die Medien, die zur Inszenierung der Visionen&Utopien genutzt werden und die Inhalte. Für diese Punkte möchte ich im meine eigenen Ideen kurz darlegen. Diese Vorstellungen werden den Ausgangspunkt meiner Arbeit in Hagen darstellen und sich in der Auseinandersetzung mit den jeweiligen Projektteilnehmern modifizieren. In diesem Wechselspiel von 'Angebot', 'Erwiderung' und 'Nachfrage' sollte sich eine Zusammenarbeit entwickelt. Die Personen und Gruppen Die Zielgruppe einer potentiellen Zusammenarbeit ist aufgrund der abstrakten Thematik eher diffus. Mir wird es in Hagen darum gehen, Personen oder Gruppen ausfindig zu machen, die gegenüber der offiziellen Standort- und Identitätspolitk einen eigenen, vielleicht eigenwilligen Standpunkt einnehmen und bestenfalls schon politisch agieren, sei es in Bürgergruppen, Kulturvereinen, Hilfsorganisationen, Beratungsstellen o.ä. Denkbar wäre etwa mit Teilen der wachsenden, türkischen Gemeinde zu arbeiten, gerade vor dem Hintergrund der offiziell proklamierten Abwanderungsproblematik. Ebenso vorstellbar ist eine Zusammenarbeit mit der Regionalstelle Frau und Beruf, unter dem Gesichtspunkt der wachsenden Ökonomie des 'dritten Sektors' (Dienstleistung). Insgesamt ginge es darum, den positiven Geist utopischen Denkens zu nutzen, um 'neuralgische' Punkte im gesellschaftlichen Bestand zu thematisieren. Auch wäre es wünschenswert, mit mindestens zwei verschiedenen Gruppen aus unterschiedlichen Kontexten zu arbeiten, um eine einseitige Positionierung des Projekts zu vermeiden. Die Medien Es geht mir darum, diejenigen Medien für das Arbeitsprojekt aufzugreifen, in denen gegenwärtig Visionen& Utopien verhandelt werden. Diese Medien etablieren das zeitgenössische Bildrepetoir möglicher Visionen und regeln die Ästhetik vorstellbarer Utopien. Text: Das klassische Medium utopischer Entwürfe ist der Text. Als literarische Fiktion oder politische Utopie, bilden Texte das traditionelle Fundament, auf dem Zukunftsvorstellungen beschreibbar werden und eine imaginäre Form annehmen. Auch für gegenwärtige Emanzipationstheorien wird immer wieder und immer noch der literarische und/oder philosophische Text als möglicher Gegendiskurs und sich selbst erfüllende Prophezeiung begriffen.Auf der Ebene der Popkultur etablieren insbesondere science fiction Romane das Bildangebot für Zukunftsvisionen. Dabei sind die geschilderten Visionen auf jeden Fall technologisch durchkomponiert, nicht aber unbedingt utopisch im Sinne einer besseren Zukunft. Film: Hollywood als sogenannte Traumfabrik benennt paradigmatisch das utopische Potential, das die Filmindustrie bereithält. Ob als negative Vision oder positive Utopie, Spielfilme können Zukunftsbilder entwerfen, die manchmal absurd, meistenteils ideologisch, auf jeden Fall aber phantasiebildend wirken. Werbung: Auch die zeitgenössische Werbung bildet auf Plakatwänden oder in Werbeclips wunschgesellschaftliche Idealsituationen ab. Deren verheißungsvoller Charakter wird mit dem beworbenen Produkt in eine assoziative Verbindung gebracht. Dabei funktioniert Werbeästhetik nicht nur reaktiv, das heißt sie antwortet nicht ausschließlich auf die vorfindlichen Standardutopien, sondern beteiligt sich aktiv an der Entwicklung neuer, visionärer Szenarien und prägt deren ästhetische Erscheinung und damit die utopische Bildphantasie der Betrachter. Comic/Cyberworld/Videospiele: Weniger verbreitet, dafür stillbildend und richtungsweisend sind schließlich Comics, Cyberwelten und Videospiele, die viel (virtuellen) Raum für visionäre Phantasie bieten. In diesen künstlichen Wunderwelten findet meist ein immerwährender und immer siegreicher Kampf gegen das Böse statt, der vielleicht weniger die hoffnungsvolle Utopie als vielmehr die reale Angst vor der Gegenwart vor Augen führt. |
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Das Ruhrgebiet ist Los Angeles Essen ist Downtown Oberhausen Hollywood Das CentrO der Sunset Boulevard Dortmund ist Anaheim, das Borussia Stadium das Anaheim Stadium Das Zentrum für internationale Lichtkunst ist Disneyland Hagen Irvine, die Fernuni die University of California Irvine... |
Die Inhalte (z.B. 'Mapping the Dreamland') Inhaltlicher Hintergrund der anvisierten Bildproduktion sollte in jeder Hinsicht die konkrete Hagener Stadtvision, bzw. die lokale Identitätspolitik sein. Ich möchte an dieser Stelle einen konkreten Vorschlag machen, der besonders reizvoll sein könnte, weil er über die reine Bildproduktion hinaus, als ästhetische Intervention auf den Stadtraum übergriffe. 'Mapping the Dreamland' ist der vorläufige Titel dieser möglichen Arbeit. Ausgangspunkt wäre die Hagener Vision, dass die Stadt ein urbanes Zentrum sein solle. Hagen wäre nicht eigentlich als Hagen zu denken, sondern beispielsweise als Los Angeles oder genauer wäre Hagen ein Teil von L.A., wie das gesamte Ruhrgebiet den Großraum L.A. markierte. Fluchtpunkt dieser zugleich affirmativen und eigensinnigen Vision wäre der Umstand, dass gerade Los Angeles und in Los Angeles gerade Hollywood bei vielen Personen Wünsche und Phantasien paradigmatisch bündelt. Diese Wunsch-Energie könnte aufgegriffen und zugleich reflektiert werden, denn im topographischen Vergleich stellte sich heraus, dass Oberhausen Hollywood ist, Essen Downtown L.A., Hagen aber dem eigenständigen Ort Irvine entspricht, der sich nach Süden hin, in Richtung San Diego am Rande der Großmetropole befindet. Die renommierte University of California in Irvine stünde dann in vergleichbarer Nähe zur renommierten Fernuni Hagen und weitere topographische Parallelitäten wären zu entdecken. Die Identifikation mit L.A. und seinen Randbereichen provozierte einerseits die Auseinandersetzung mit den eigenen Wünschen und Utopien, wie andererseits die Relativierung des Traumplatzes L.A. stattfinden würde. In der Konsequenz dieser vergleichenden Topografie wäre für Hagen schließlich darüber nachzudenken, dass etwa Straßen nach amerikanischem Äquivalent benannt würden, Autobahnschilder nach Hollywood wiesen oder Großbuchstaben in der Landschaft den Ort Irvine utopisch realen als Hagen markierten... Hagen Irvine. AHA 2001© |
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